Post-Europa

2012. Griechenland verlässt nach einem Regierungswechsel zur Konservativen Neuen Demokratie den Euro und die EU. Banken krachen und Pensionsfonds kollabieren. Das Land kann seine Importe nicht mehr finanzieren. Grundnahrungsmittel werden knapp, Hungerrevolten folgen. 2014 übernimmt in Athen die Armee unter einem General Charilaos Pangalos die Macht.
Weil der Sturm auf die Banken auch auf Spanien und Italien übergreift, wirft 2013 die Eurozone das Handtuch. Um Zeit zu gewinnen, führen die Europäer wieder nationale Währungen ein. Statt der erhofften Beruhigung folgt Chaos. Die neue Deutsche Mark schnellt um 50 Prozent in die Höhe, die Südwährungen werten ab. Die verteuerten Staatsschulden erdrücken Italien und Frankreich. Ganz Südeuropa erklärt sich zahlungsunfähig.
Um sich vor den Abwertungen der Nachbarn zu schützen, führen die Regierungen 2014 wieder Zölle ein. Der gemeinsame Markt bricht zusammen. Massive Arbeitslosigkeit in Deutschland ist die Folge, weil die deutschen Exporte viel zu teuer sind. Europaweit kommen Nationalisten an die Macht. Im Jänner 2015 diskutiert der Bundestag in Berlin eine Erhöhung des deutschen Verteigungsbudgets……… ( (C) Raimund Löw)

 

Frühling 2017.
Liebes Tagebuch,

Der europäische Bürgerkrieg dauert nun schon 1 Jahr. Europa muss furchtbar aussehen. Erst gestern hat es wieder eine Gruppe von Deserteuren bis hierher geschafft. Ich will gar keine Details hören. Ich habe ihnen geraten, die Zuschreibung „Österreicher/Europäer“  sofort abzulegen. Ich hoffe natürlich aufrichtig, dass es den verbliebenen Bekannten, Freunden und Verwandten gut geht, und dass der Bürgerkrieg nicht mehr lange dauern möge.  Aber ich will mit den nationalistischen Arschlöchern der österreichischen Führung nichts zu tun haben.  Ich will auch nichts mehr mit den Massen zu tun haben, den 70%, die gejubelt haben, als Strache zum Kanzler angelobt wurde, als Le Pen Präsidentin wurde, als Udo Voight die Führung übernahm. Gestern habe ich meinen Pass und meinen Staatsbürgerschaftsnachweis verbrannt. Jetzt bin ich quasi illegal. Aber da scheiß ich drauf. Ein zurück gibt es nicht mehr. Auch keinen Wiederaufbau, zumindest nicht mit uns. Dieser Krieg kann in Anbetracht von 80 Jahren Frieden und Wohlstand nicht verziehen werden.

Sämtliche progressiven Kräfte sind entweder aus Europa abgehauen, oder wurden ausgelöscht. Die Heimattreuen schlagen sich jetzt gegenseitig die Schädel ein, nachdem sie sich der restlichen Opposition entledigt haben. Ein schrecklicher Krieg gerade dort, wo noch vor wenigen Jahren alle der Ansicht waren, das derartiges unmöglich sei.

Der Himmel auf Erden war beinahe errichtet. Ausufernder Neoliberalismus und das darauf folgende nationalistische Gedankengift haben dem jedoch ein Ende gesetzt.

Als Staatenlose wenden wir uns nun anderen Ufern zu. Lateinamerika hat sich zu einer starken Union konsolidiert. In Asien hält man schon Konferenzen zur Europäischen Nachkriegszeit ab. Wohin ist noch ungewiss. Aber irgendwie auch vollkommen egal. Ich möchte wahrscheinlich irgendwo leben, wo ich nicht heizen muss.
Derweil gibt es nur Reis und Gemüse und das rauschende Meer im Hintergrund.

Auf bald.

 

Ein Gedanke zu „Post-Europa“

  1. Schon langsam kommt mir ein Post-Europa in der einen oder anderen Weise sehr wahrscheinlich vor. Nach allem, was wir in unseren Studien gelernt haben, ist es falst wie der zwingende Handlungsablauf einer Geschichte mit Anfang, Zuspitzung, Höhepunkt, Ausgang. …. eine Logik die passieren muss, weil alle Geschichten so ablaufen. Momentan: Zuspitzung.

    Ich muss zugeben, dass mich das alles, was sich da seit Monaten bzw. Jahren zuspitzt innerlich in eine Art kindliche Aufgeregtheit versetzt. Ich finde es so spannend was gerade passiert…das System (ein näheres Wirtschafs-System-Definitionsblabla werd ich mir hier ersparen, weil dus eh kennst) funktioniert so wie es ist, einfach überhaupt nicht richtig, sonder wurschtelt sich nur durch…
    Respekt an Papandreou, dass er das Volk fragt, um das es schließlich geht!!! (erwartete) Enttäuschung über Sarkozy und Merkel, die diesen Schritt verurteilen.

    Die Spannung steigt und ich hoffe auf ein Happy End, nicht unbedingt hin zur Rettung der bestehenden Version der Euro- u. Wirtschaftszone sondern einem neuen abgewandelten Weg. Ich meine, selbst ein Kind merkt spätestens nach dem 5.Mal wo sein Verhalten nicht greift, dass es es ändern muss!

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