Die soziale Konstruktion von Vaterschaft

Die allgemeine Vorstellung von guter Vaterschaft unterliegt wie so vieles andere auch einem kontinuierlichen kulturellen Wandel. Vatersein wurde bis in die siebziger Jahre vor allem mit der Ernährerfunktion innerhalb der Familie gleichgesetzt. Heutzutage sorgt ein „guter“ Vater nicht mehr nur für die finanzielle Absicherung der Familie sondern er engagiert sich auch aktiv in der Betreuung und Erziehung des Kindes sowie im gemeinsamen Haushalt. Die individuelle Praxis der allermeisten Väter scheint sich  jedoch von dieser gewandelten Auffassung vehement zu unterscheiden. Weiterlesen

Fair Future?

Es kommt weniger darauf an, den Menschen in der Dritten Welt mehr zu geben, es kommt darauf an ihnen weniger zu stehlen. (Jean Ziegler, 2005)

361 Jahre nach dem Westfälischen Frieden ist das Container-Modell der Nationalstaaten im Begriff sich wieder aufzulösen. Die Welt ist geprägt von Interdependenzen, die ungeachtet der (ohnehin fiktiven) Grenzen ihre Wirkung entfalten. Kants Vision vom „ewigen Frieden“ als „Föderation von freien Republiken“ wäre aktueller den je. Dennoch ist das internationale System nach wie vor ein Spielfeld mit wenigen dominanten, nach Eigeninteresse trachtenden Spielern – jeder ist sich selbst der Nächste, frei nach dem neoliberal – kapitalistischen Zeitgeist. Angesichts der bekannten globalen Herausforderungen zeugt das weltweite Konkurrenzdenken von maßloser Dummheit. Kooperation wäre die logische Konsequenz aller anstehenden Probleme, und doch ist der Mensch anscheinend zu fehlerhaft um das zu begreifen – oder einfach zu gierig? Weiterlesen

Los 33 und Chile – mein Senf.

Wohl kaum jemand hat die erfolgreiche Bergung der 33 Bergarbeiter in Chile nicht mitverfolgt. Kaum jemand wird sich nicht freuen, dass die 33 wieder an der Oberfläche sind – nach den Familien wahrscheinlich Präsident Pinera am meisten. Für sein angeschlagenes Image war das Spektakel rund um die Bergung eine gelungene PR. Aber gut – verdiente PR für eine einwandfreie Rettung. Weiterlesen

So what?

Heute in der Straßenbahn. Vor mir eine Schulklasse mit ungefähr 10jährigen. Kleine Österreicher asiatischer, kaukasischer und afrikanischer Prägung. Ein buntes Wirrwarr aus Farben und Formen, vollkommen heterogen und doch vereint im Spiel. Dabei kam mir der Gedanke, dass sich die ganze Ausländerdiskussion vielleicht spätestens in 20 Jahren, wenn diese jungen Menschen die Mitte der Gesellschaft bilden werden, erledigt hat. Dann hat die Symbiose der Farben statt gefunden und die, die mit den vermeintlich anderen aufgewachsen sind, werden sie nicht mehr als vermeintlich andere erkennen, sondern als ihresgleichen. Und sie werden vielleicht erkannt haben, dass sie letztlich doch nicht so verschieden sind. Die Dichotomie Inländer-Ausländer wird sich nicht mehr am äußeren Erscheinungsbild ablesen lassen wenn die Unterschiede aufgehoben sein werden. Und unsere Kultur? Auf die Gefahr hin, als Sozialdarwinist bespuckt zu werden, muss ich dennoch sagen: so what? Kultur verformt sich nach dem „survival of the fittest“ Prinzip und definiert sich neu. Like it or not.