Fünf Minuten Wien

Mein Bruder beehrt wieder einmal die City. Doch nicht nur der eiskalte Wind bereitet dem Steirer Probleme in der großen Stadt, auch die Parkplatzsuche und vielmehr noch die Krux mit den Parkscheinen trennen die Metropole vom Land.

Der Parkplatz findet sich überraschend prompt, aber der Parkschein? Wahrscheinlich in einer Trafik zu kaufen. Die Trafikantin weiß Bescheid: Ja, es gibt Parkscheine. Verschiedene sogar. Aber verkaufen? Nein, verkaufen tut sie die nicht mehr. Die Post nebenan hat aber sicher welche.

An der Tür kreuzt ein Urwiener unseren Weg und zieht mit einem „Heast Oida, vü Spaß beim Wortn!“ von dannen. Tatsächlich stehen an die 25 Leute in der Schlange. Ein türkischstämmiger Mann vor uns dreht sich um und erläutert in holprigem Deutsch, dass Anstellen keinen Sinn mehr mache, da man eh nicht mehr dran komme. Er brauche bloß einen Parkschein, erwidert mein Bruder. Der Herr verweist wieder auf die Trafik. Nein, dort gibt es leider keine mehr. „Oje, ganz schlecht“, meint der Wartende. Sogleich greift er nach seiner Geldbörse, zaubert zwei Parkscheine hervor, und drückt sie meinem Bruder mit den Worten „Jetzt du nicht anstellen!“ in die Hand. Wir wollen dafür bezahlen, unseren 20 Euro Schein kann der Mann aber nicht wechseln. Er redet kurz mit seiner Frau auf Türkisch und sagt: „Na, dann. Alles Gute!“ Mit einem netten Lächeln wendet er sich wieder der Warteschlange zu.

Es mag gutes Karma gewesen sein, aber dem Nicht-Wiener offenbarte sich auch einer dieser kurzen, menschlichen Momente, von denen man am Land glaubt, dass es sie hier nicht gebe.

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