„All I want is a freedom life“

„I am here to help rising the voice of the people and I am talking to you not for my own self, but for all the other people here“. Kahil macht klar, dass es hier eigentlich nicht um ihn gehen soll, sondern um die Refugees, um die Menschen. Man will keine einzelnen Geschichten erzählen: Keine Namen, „wir heißen alle refugee“, keine Länder „wir sind alle hier“. Menschen aus dem Flüchtlingslager Traiskirchen haben einen Protestmarsch nach Wien organisiert. Diese erste selbstorganisierte Demonstration der AsylwerberInnen ist bemerkenswert. So auch ihr Mut. Unter anderem fordern sie:

„Wir brauchen eine Arbeitserlaubnis. Wir wollen für uns selbst sorgen. Wir wollen nicht vom Staat abhängig sein. Wir verlangen, dass man uns unsere Würde als Menschen zurückgibt.“  Gegenwärtig leben über 50 Flüchtlinge im provisorisch errichteten Zeltlager vor der Votivkirche. Aus der Bevölkerung gibt es durchaus Unterstützung. Der Wiener Sascha S. bringt eine Kleiderspende vorbei. Warum? „Weil ich mich solidarisch mit dem Anliegen der Flüchtlinge zeige – aus humanistischen Gründen!“

Das Camp ist bis Freitag genehmigt. Seitens der Stadt gibt man sich jedoch tolerant: „Es wird am Wochenende keine Räumung geben! Nächste Woche wird man dann sehen, wie die rechtliche Lage aussieht. Die Stadt Wien als Grundstücksbesitzer hat jedoch das letzte Wort und muss eine Räumung anordnen“, erklärt Polizeipressesprecherin Camellia Anssari.

Doch wer sind eigentlich diese Asylwerber? Warum sind sie gekommen? Warum bleiben sie?

„All I want is a freedom life.“

Der 24-jährige Kahil ist einer von ihnen. Er hat zu einem Interview bereit erklärt. Er genießt es fast ein wenig, im Mittelpunkt des Interesses zu stehen. Bisher hat sich noch nie jemand für ihn interessiert. Sein Leben war nebensächlich. Sein ausgezeichnetes Englisch und sein Mitteilungsbedürfnis stellen ihn hier jedoch ins Rampenlicht. Nach mir wartet schon das nächste Presseteam. Kahil ist in Dubai geboren, aber pakistansicher Staatsbürger. Er gehört vermutlich zur subkontinentalen Sklavenschaft, die sich die Golfstaaten halten. Zu den austauschbaren Pakistani, Indern und Bangladeshi, die bei 40 Grad im Schatten für ein paar Netsch am Bau stehen und 828 Meter hohe Gebäude wie den Burj Khalifa in einem ehemals trostlosen Wüstenkaff errichten. „In Dubai war ich sechs Jahre in der Schule“, erzählt Kahil, „dann musste ich jedoch raus und arbeiten, weil mich meine Eltern nicht mehr unterstützen konnten.“ Mit 12 Jahren war seine Kindheit vorbei und der junge Pakistani stand auf eigenen Beinen, auf der nächsten Baustelle.

3000 Euro für ein Ticket in die „Freiheit“
2010 musste er Dubai verlassen. Kahil ging nach Pakistan, in ein Land, das ihm quasi unbekannt war. Keine Familie, keine Wurzeln, keine Bekannten. „In Pakistan gibt es kein Gesetz für underdogs wie mich. Wenn du ein Niemand bist, herrscht für dich Willkür. Wenn du keine Familie hast, bist du verloren. Die Menschen schauen nur auf sich selbst. Die Korruption ist überall“, klagt der Flüchtling. Deswegen entschloss er sich zum Aufbruch nach Europa – als Illegaler. „I expected to find a better life, a freedom life. Here, everything is in order, and the legal way is working. There is a law. But to go to the western countries ist really dangerous for us!“

Auf dem Landweg durchkreuzte Kahil den Iran und die Türkei bis nach Griechenland – die Behörden immer im Rücken. 3000 Euro zahlte er an einen Schlepper als Fahrpreis – eine unvorstellbare Summe, für die Kahil jeglichen Besitz zu Geld machen musste.  Von Griechenland schaffte er es schließlich nach Österreich.

Asyl abgelehnt
Am 10. September erreichte Kahil die Alpenrepublik. Er suchte um Asyl an. Die Anhörung war genauso schnell wie das Urteil: Zwei Negativbescheide in kurzer Zeit. Jetzt wartet der Schutzsuchende auf seine Deportation. „When they find me, they will deport me. But I will come back. All of us will come back, because we have to!“, bringt es Kahil auf den Punkt.

Was er tun wird, wenn das Zeltlager hier aufgelöst wird? „I don’t know. I live on the streets of Vienna, until they find me and we restart the game.“ Seinen Humor hat Kahil jedenfalls nicht verloren. Er will eigentlich nur eines: arbeiten, Geld verdienen, ohne direkten oder strukturellen Zwang leben. In Freiheit leben. Glücklich sein.

Kahil, 24, zwei negative Asylbescheide.

 

 

4 Gedanken zu „„All I want is a freedom life““

  1. Feige meine Antwort zu löschen, verweist auf ein mögliches Problem deinerseits im Umgang mit Kritik, ändert aber nichts an der Tatsache, dass du mit der Veröffentlichung dieser Bilder ein Menschenleben gefährdest. Lösch diese Bilder SOFORT!

    1. Liebe/r „Geht dich nichts an“. Möglicherweise hast du wenig Ahnung von wordpress, aber ich muss Kommentare erst genehmigen, bevor sie hier erscheinen. Ich lösche gar nichts. Aber deines war eigentlich recht sinnfrei. Warum gefährden meine Bilder ein Menschenleben? Ich habe mit Kahil selbst in Ausübung meiner beruflichen Tätigkeit als Journalist gesprochen und ihm auch klar gemacht, was nachher passieren wird: alles kommt in die Zeitung! Ich habe gefragt, ob ich die Bilder unkenntlich mach soll. Es wurde verneint. Ich habe den Namen dann dennoch, nach einem Anruf gestern Abend, geändert. Die Person die mich angerufen hat, hat sich aber tatsächlich getraut, mir ihre Nummer zu offenbaren und mit mir ein ganz konstruktives Gespräch zu führen – über das für und wider. Und wir haben quasi gemeinsam beschlossen, dass ich den Namen ändern soll. Du hingegen schreibst hier als „Geht dich nichts an“ in paranoider Manier rein, dass ich löschen soll, und das SOFORT. Da muss ich dich leider fragen: gehts eh noch? Im übrigen bin ich der Meinung, dass die Sache viel mehr Unterstützung findet, wenn die Menschen zu einer Person und einer Geschichte Bezug nehmen können, anstatt immer ein abstraktes „Asylwerber“ vorgesetzt zu kriegen, und verpixelte oder verbalkte Bilder, vielleicht sogar gestellte. Weiters hab ich Kahil gerade eben noch einmal in der ORF tvthek gesehen. Hast du dort auch schon gepostet? Mit lieben Grüßen, Elle

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