Outside „Akademikerball“ – dürfen die tanzen?

Mein Chef Christoph Schwarz war am Freitag am umstrittenen „Akademikerball“ und hat sich daraufhin in einer „Entzauberung des rechten Walzers“ versucht. Dass in den Hallen der Hofburg großteils einfach nur ein netter Abend gefeiert wird, glaube ich gern. Insgesamt finde ich die Veranstaltung aber nicht ganz so eitel Wonne, wie Christoph behauptet.

Der „Akademikerball“ als harmlose Tanzveranstaltung? Als netter Abend keineswegs zwielichtiger Gestalten, die auch ohne reichsdeutsche Hintergedanken drei Paar Würstel bestellen können? Mag alles sein. Sicherlich ist die umstrittenste Ballnacht des Jahres kein mit dem Horst-Wessel-Lied eröffnetes, konspiratives Treffen. Auszuschließen ist auch, dass sich die Gespräche am Buffet ausschließlich um das Selbstverständnis als neue Juden drehen.

So weit, so harmlos. Natürlich dürfen die Burschen tanzen. Die Damen auch. Darum geht es auch nicht. Vielmehr müssen wir über die Symbolik dieser Ballnacht sprechen. Die Tänzer drehen sich ja nicht irgendwo, sondern in den repräsentativsten Hallen der Republik.

Ganz so harmlos sind die Waffenstudenten nämlich nicht. Sie berufen sich gerne auf den Geist von 1848, auf ihre Rolle während der bürgerlichen Revolution. Ehre, Treue, Vaterland – so der Leitspruch der Olympia, eine der berühmtesten Wiener Buden. Seit 1848 ist viel Wasser die Donau hinunter geflossen und die radikalen Umwälzungen des 20. Jahrhunderts sind nicht spurlos an den Revolutionären von einst vorüber gegangen. Die Ehre und die Treue zum Vaterland waren mitunter Gründe für viel böses Blut während dieser Zeit. Heute gelten schlagende wie nichtschlagende Studentenhäuser nicht nur im Einzelfall als Sammelbecken für rechtsextremes Gedankengut. Immer wieder entspringen diesen Buden jene politischen Gewissheiten, denen wir uns seit 1945 vehement entgegenstellen.

Die Wichsträger, die Schmissträger und die mit dem Tönnchen – sie alle liebäugeln mit dem großdeutschen Vaterland. Es soll schließlich zusammen, was zusammen gehört. Viel zu oft ecken ebendiese gestrigen Vereine mit Einstellungen an, die einem progressiven Miteinander in einer grundsätzlich neuen Gemeinschaft des 21. Jahrhunderts diametral gegenüber stehen.

Die nach wie vor tiefe Verwurzelung von Rassismus und Sexismus in der österreichischen Gesellschaft ist traurig genug, deren obersten Repräsentanten müssen wir nicht auch noch eine derart erleuchtete Bühne bieten. Die europäische Rechte mag das begrüßen, international stellen wir uns jedoch ins Abseits, wie man an dem Entschluss der UNESCO sieht, die Wiener Traditionsbälle von der Liste des Weltkulturerbes zu streichen.

Natürlich herrscht Meinungsfreiheit. Solange diese Meinung nicht mit dem Verbotsgesetz kollidiert, dürfen selbstverständlich auch die Burschenschaften sie vertreten und dazu tanzen – überall, aber bitte nicht in der Wiener Hofburg. Wir müssen uns schließlich nicht von dieser Meinung repräsentieren lassen.

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